„Steinreich“ und ein bisschen schlauer

Thekla Walker überreicht Geokoffer an die Urspringschule

Die Landesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, Thekla Walker, besuchte am Montag, 26.10.2015, den Alb-Donau-Kreis. Ziel ihres Besuchs bei dem Unternehmen HeidelbergCement AG war der Austausch über das Thema nachhaltige und umweltschonende Ressourcennutzung und den Artenschutz in Abbaustätten.

In Begleitung einiger Parteikollegen besuchte Frau Walker zuerst das Zementwerk der HeidelbergCement AG in Schelklingen im Rahmen einer sachkundigen Führung durch Hans-Georg Kraut, den Leiter des Werks und Thomas Beißwenger vom Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE).

Im Anschluss machte sich die Grünen-Landesvorsitzende ein Bild vom Tagebau im Steinbruch Vohenbronnen bei Schelklingen.

Großes Gerät

Großes Gerät

Herr Kraut begrüßte die Anwesenden, darunter auch Schülerinnen und Schüler des Geographieneigungskurses 12 der Urspringschule mit ihrem Lehrer Martin Witzel, im Geopark Schwäbische Alb, insbesondere im Geotop Steinbruch Vohenbronnen. Dieser sei ein Fenster in die Erdgeschichte, welches 150 bis 200 Millionen Jahre zurückreiche, so Kraut in seinen Ausführungen. Die verschiedenen Gesteinsschichten entstanden durch Sedimentablagerungen im Urzeitmeer, welches die Alb zu Zeiten des Jura bedeckte sowie durch Versteinerung darin befindlicher Korallen.

Die Schwäbische Alb ist eines der Hauptabbaugebiete der Zementindustrie, wie Herr Kraut betonte. Der variierende Kalkgehalt bedinge, dass sowohl sediment- als auch korallenhaltige Gesteinsschichten abgebaut werden müssten, um die ideale Mischung für die Zementproduktion zu erhalten. Der Steinbruch Vohenbronnen biete den Vorteil, dass die dort vorkommenden Gesteine aufgrund der relativ dünnen Schicht Mutterbodens leicht zu fördern und nur noch in das richtige Mischungsverhältnis zu bringen seien.

Korallenhaltiges Gestein

Korallenhaltiges Gestein

Auf Nachfrage der Anwesenden, weshalb denn am frühen Nachmittag schon niemand mehr im Steinbruch arbeite, erklärte Herr Kraut, dass die 11 Arbeiter bereits um 6:00 Uhr morgens beginnen und daher gegen 14:30 Uhr Feierabend machen, während das Zementwerk selbst einen Dreischichtbetrieb fährt.

Aus rund 1,7 Millionen Tonnen Gestein werden so etwa 1,1 Millionen Tonnen Zement pro Jahr hergestellt. Auf die Frage hin, ob denn der Steinbruch nicht irgendwann erschöpft sei, antwortete Herr Kraut augenzwinkernd, die Fabrik bestünde nun schon 110 Jahre und man habe „Material bis Regensburg“ – schließlich ließe sich die ganze Schwäbische Alb verarbeiten, was allerdings an Besitzrechten und dem Naturschutz scheitere.

Für die kommenden Jahre ist die Produktion jedoch gesichert, da sich die Bagger pro Jahr nur etwa 5 Meter vorarbeiteten und dabei eine 100 Meter breite Schneise grüben und in Zukunft sogar ein 10 bis 15 Meter tieferer Abbau möglich werde.

Thomas Beißwenger (ISTE) erklärte sodann die Entstehungsgeschichte des Geokoffers, den die Grünen-Landesvorsitzende an die Urspringschule überreichen durfte. So habe sich der Verband in Kooperation mit dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Tübingen nach Anfragen seitens vieler Geographielehrer daran gemacht, brauchbares didaktisiertes Unterrichtsmaterial zu erstellen. Entstanden ist ein Angebot, welches 1 Milliarde Jahre Erdgeschichte zum Anfassen beinhaltet. Im Koffer, der zu einem Preis von 650,-€ vertrieben wird und den die Firma HeidelbergCement AG der Urspringschule stiftet, sind 14 verschiedene Gesteinsarten sowie Begleitmaterialien, Unterrichtsvorschläge und digitale Angebote wie Lehrfilme und Präsentationen enthalten.SONY DSC

Gemeinsam begutachteten die Anwesenden den Inhalt des Geokoffers, bevor es zur Überreichung desselben an die anwesenden Schülerinnen und Schüler der Urspringschule durch die ehemalige Urspringerin Thekla Walker kam. Die Landesvorsitzende der Grünen meinte dabei scherzhaft, sie könne sich an das Fach Geographie nicht mehr erinnern, doch der Geokoffer mache Lust auf mehr. Des Weiteren habe sie nur gute Erinnerungen an ihre Zeit in Urspring – und hielt diesen Moment spontan für andere Ex-Urspringer mit dem Smartphone fest.

Geokurs Martin Witzel

Geokurs Martin Witzel

Im Anschluss an die Überreichung unterhielten sich die Anwesenden noch angeregt über nachhaltige Entwicklung, ein Kernthema von Bündnis 90 / Die Grünen, und über nachhaltige Bildung im Rahmen des neuen Bildungsplans, der ab 2016 gelten soll und von dem Geographielehrer Martin Witzel nicht so recht begeistert scheint.

Schülersprecher Radu Chis möchte sich an dieser Stelle im Namen aller Urspringschüler bei Frau Walker, Herr Beißwenger und Herr Kraut für den Geokoffer bedanken.

Der letzte Programmpunkt ihres Besuchs führte Frau Walker auf die Urzeit-Weide bei Gerhausen, aus Kapazitätsgründen konnten die Urspringschüler hierzu nicht mitkommen – ihnen wurde ein gesonderter Besuchstermin zugesagt. Die Urzeit-Weide ist ein herausragendes Projekt im Bereich des Artenschutzes in ehemaligen renaturierten Abbaustätten, wo momentan ein Beweidungsprojekt mit Taurusrindern und Konikpferden durchgeführt wird. Die Rinder und Pferde sollen der Verbuschung des Areals entgegenwirken und so den Lebensraum vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten erhalten – ein Gewinn für die Biodiversität und den sanften Tourismus auf der Schwäbischen Alb. (Weitere Infos: http://www.heidelbergcement.de/de/schelklingen/urzeitweide)

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