Exkursion ins KZ Dachau

 

Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau [Klasse 9]

Die Klassen 9a und 9b besuchten am 6. Juni im Rahmen des Geschichtsunterrichts über die Nazi-Herrschaft das ehemalige Konzentrationslager Dachau bei München. Mit dabei waren Dr. Bahar und Herr Bücheler.

Es ist 8 Uhr morgens, (fast) alle sind anwesend, der Bus fährt ab, wir begeben uns auf eine zweieinhalbstündige Fahrt ohne größere Staus. Vom Parkplatz aus marschieren wir los zur Gedenkstätte und stoßen schon nach wenigen Metern auf die ersten Info-Tafeln am Wegesrand mit Informationen über das KZ − viele von uns beschleicht schon jetzt ein mulmiges Gefühl. Uns begrüßt eine kleine Dame, die sich als „Frau Ferrero” vorstellt und uns mit leichtem italienischem Akzent darüber aufklärt, dass eine Führung durch die ganze Gedenkstätte normalerweise drei bis vier Stunden in Anspruch nimmt. Für uns wurde die Führung schließlich auf zweieinhalb Stunden gekürzt.

Am Toreingang zum Innenhof machen wir Halt. Frau Ferrero macht uns auf die Inschrift in dem schmiedeisernen Tor aufmerksam: „Arbeit macht frei”. (Das originale Tor wurde vor einigen Jahren gestohlen und durch eine Kopie ersetzt.) Diese Worte sollte den Gefangenen vorgaukeln, dass sie irgendwann frei kämen, wenn sie nur fleißig und hart genug arbeiteten, klärt sie uns auf. Das war eine zynische Lüge! Denn durch Arbeit kam hier niemand frei, allenfalls zu Tode!

Von Frau Ferrero geführt, erkundeten wir in der Folge das riesige Areal. Das KZ Dachau war das erste offizielle NS-Konzentrationslager; die Nazis errichteten es bald nach ihrer Machtübernahme. Erbaut wurde es auf dem Gelände einer ehemaligen Pulverfabrik. Am 23. März 1933, drei Wochen nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933, den die Nazis den Kommunisten in die Schuhe schoben, wurden hier die ersten Gefangenen eingeliefert – politische Gegner Hitlers, Kommunisten, Sozialdemokraten, linke Intellektuelle, Juden wie Nichtjuden. Am 11. April übernahm Himmlers SS das Kommando und begann sofort mit der Misshandlung der Häftlinge, die ersten von ihnen wurden bereits einen Tag später ermordet.

Nach der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 wurden verstärkt Juden nach Dachau gebracht – viele von ihnen endeten in Auschwitz oder anderen Vernichtungslagern. Aber auch sogenannte Asoziale (Obdachlose, Bettler etc.) und Zigeuner (Sinti und Roma), Homosexuelle, Kriegsgefangene und andere ausländische Häftlinge wurden in Dachau gefangengehalten. In über 150 Außenlagern mussten Häftlinge Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten.

Frau Ferrero zeigte uns auch die Baracken (die zum Teil wieder aufgebaut wurden), in denen die Gefangenen auf engstem Raum zusammengepfercht waren. Sie erzählte uns von den grausamen Strafen und Folterungen, die sie erleiden mussten, hilflos der Willkür und der Grausamkeit der Lagerleitung und der Wachmannschafften ausgeliefert. Als Beispiel für die brutale Haltung der Nazis gegenüber den KZ-Gefangenen zitierte sie einen Spruch des zweiten Dachauer Lagerkommandanten Theodor Eicke: „Toleranz bedeutet Schwäche”.

In den zwölf Jahren der Naziherrschaft wurden im KZ Dachau insgesam 41.500 Menschen ermordet, verhungerten oder starben an Krankheiten wie Typhus. 10.000 jüdische Häftlinge werden in Außenlagern „durch Arbeit” getötet.

Zuletzt zeigte uns Frau Ferrero noch das Krematorium, in dem die Leichen der Gefangenen verbrannt wurden, sowie eine Gaskammer. Allerdings hatte die Lagerleitung keine Zeit oder Gelegenheit mehr, diese in Betrieb zu nehmen.

Nachdem wir uns bei Frau Ferrero für die kundige Führung und das geduldige Beantworten unserer Fragen mit einem Applaus bedankt hatten, war noch eine Stunde Zeit bis zur Rückfahrt, die wir mit Spazierengehen oder mit einem Besuch im örtlichen Fast-Food-Restaurant verbrachten. Kurz nach 17 Uhr waren wir zurück in Urspring − erfüllt von Eindrücken von einer lehrreichen und wichtigen Exkursion in die deutsche Vergangenheit.

Text: Alexander Bahar unter Mitarbeit von Max Klein (Kl. 9a)

Fotos: Max Klein

 

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