Dinner for One – eine Kritik

Alter Wein in neuen Schläuchen …

Das diesjährige Dinner for One − und das darf man guten Gewissens feststellen − war eines, dessen Gags nicht unter die Gürtellinie gingen und das die parodierten Personen achtete, anstatt sie des Witzes wegen durch den Kakao zu ziehen. Die ein oder andere Aussage mag grenzwertig gewesen sein, im Gesamtrückblick lässt sich jedoch feststellen, dass den 12ern ihr Schwank gelungen ist.

Satirisch auf die Spitze getrieben, stellten die 12er die Eigenheiten der parodierten Lehrer heraus: Herr Wetzler, stets im Bemühen um größtmöglichen Konsens, Frau Radermacher, penibel und anspruchsvoll, bis es zum totalen Kontrollverlust kommt, Frau Thomä, wie immer ausgestattet mit einer Vielzahl von Kopien, die − schön veranschaulicht durch das Video einer Baumfällaktion mit anschließendem Endlosdruckvorgang − zur Reduktion des tropischen Regenwalds beitragen, Herr Fischer, der − im Verhältnis zur überwiegenden Mehrheit der Lehrerschaft fortschrittlich unterwegs − kaum eine Minute von seinem technischen Equipment lassen kann, und Herr Aierstock, der Magier in der Mensaküche, der tagtäglich neue Gaumenfreuden zur Zufriedenstellung der Schüler zaubern muss und sich dafür einen Thermomix wünscht.

Genial auch die Darstellung von Bernhard Hüttenrauch, für die die Darsteller keine Kosten und Mühen gescheut zu haben scheinen: Mit Haarlos-„Perücke” und passenden Sandalen gab Lukas Holtmann einen überzeugenden Mathelehrer mit Fotografieleidenschaft. Dieser ist es zu verdanken, dass der teils fiktive Ausflug der Lehrer in Bild und Ton festgehalten wurde.

Und hier ist die Krux des Dinners zu finden: Muss es sich immer um Alkohol drehen?

Kurz zur Vorgeschichte: Der letztjährige Mitarbeiterausflug der Urspringschule führte die Mitfahrenden zur Stadtbesichtigung nach Esslingen mit anschließender Weinprobe auf einem Weingut in der Nähe Untertürkheims. Diese Begebenheit nahmen die 12er als Ausgangspunkt für ihr diesjähriges Dinner for One.

Die Darbietung auf der GTZ-Bühne stellte gekonnt eine Konferenz am Tag danach dar, zu der nur die „Überlebenden” des Ausflugs erschienen waren, inklusive der angenommenen Nachwirkungen der Weinprobe − bis hin zu einer Frau Wark, die die Konferenz unter dem Tigerfell verschlief, nur um bei Störung ihres Schlafes reflexartig die berüchtigte Mitternachtsformel aufzusagen.

Da die verkörperten Personen sich − da unter einem Filmriss leidend − nicht mehr an die vergangene Nacht erinnern konnten, musste das Hüttenrauch’sche Archiv zurate gezogen werden. Herausgekommen ist ein alles in allem spaßiges, professionell produziertes Filmchen der durchzechten Partynacht.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob es vonnöten ist, die Urspringer Lehrerschaft in schöner Regelmäßigkeit als exzessive Alkoholkonsumenten darzustellen, wie auch bei den früheren „Dinner for One”-Darbietungen teils der Fall.

Alkohol gehört als legales Suchtmittel in unserer Gesellschaft zum Leben dazu, das steht außer Frage, nur ist es fraglich, ob der prominente Platz, den das Thema in den Darbietungen einnimmt, dem Publikum (und auch den Karikierten) gerecht wird. Einerseits finden viele Zuschauer − Lehrer, Schüler, Mitarbeiter, Eltern, usw. − das Sich-gehen-lassen der parodierten Personen amüsant, andererseits stellt sich die Frage, welche Außenwirkung eine solche Darstellung hat und ob es nicht auch ein schlechtes Vorbild für die jüngeren Zuschauer abgibt, wenn exzessiver Alkoholkonsum unreflektiert filmisch auf der Bühne dargeboten wird.

Gibt es nicht ausreichend andere Themen und Begebenheiten, die sich zur parodistischen Verwertung anbieten?!?

Es bleibt zu wünschen, dass zukünftige Generationen es fertig bringen, ihren Ideen-Horizont zu erweitern, über den Tellerrand des langsam aber sicher ausgelutschten Themas Alkoholkonsum zu blicken und stattdessen die sich im Alltag bietenden Möglichkeiten ergreifen.

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