Gut gerüstet für die „Autobahn des Lebens”

Entlass-Feier des Urspringer Abiturjahrgangs 2018

Am Samstag, 30. Juni 2018, feierten die Abiturientinnen und Abiturienten der Urspringschule gemeinsam mit ihren Familien, Lehrern und Mentoren ihren Abschied. Im Mittelpunkt der Entlassfeier in der Ulrichskirche zu Urspring stand wie stets die Verleihung der Abiturzeugnisse und die Vergabe von Preisen und Auszeichnungen.

Das Abitur bestanden haben in diesem Jahr 29 Schülerinnen und Schüler der Urspringschule:

Erik Alber, Christoph Bauer, Maximilian Bezold, Dimitry Brusilouski, Clara Bücken, Nicholas Conrad, Georg Ebbinghaus, Xinwei Fan, Nikita Federsel, Moritz Fichter, Andreas Hilsenbeck, Anna Kling, Sebastian Krahnke, Lea-Sophie Kreutle, Tobias Kuhn, Helen Kunkel, Pauline Lehmann, Nils Leonhardt, Madita Maurer, Moritz Noeres, Yannick Nott, Tristan Oetker-Kast, Yannick Olma, Heinz-Wilhelm Schäbe, Christian Schmidl, Samuel Urban, Emanuel Welte, Lisa Wiederhold, Anlan Yang. (Abi-Durchschnitt: 2,4.)

Preise der Geschwister Gaß-Stiftung für herausragendes soziales Engagement sowie jeweils mehrere Fachpreise gingen an Maximilian Bezold (M, Mu, Ch, Sp, Info, IHK-Preis), der mit einem Abi-Schnitt von 1,2 auch Jahrgangsbester war, Xinwei Fan (M, Mvert, Ph, Sp, Ferry-Porsche-Preis, Mathe-Preis), Tobias Kuhn (M, E, Info, Deutschpreis), Heinz-Wilhelm Schäbe (Rel, Info), Christian Schmidl (Scheffelpreis, BK, D, Ge, Rel, Ch, Info) und Emanuel Welte (Mu, G).

Weitere Fachpreise erhielten Dimitry Brusilouski (M, Mu, Ph, Ch, Info), Clara Bücken (Rel), Georg Ebbinghaus (Lit/LuT), Andreas Hilsenbeck (Ph, Mvert), Sebastian Krahnke (E, Rel, Ph, Sp), Pauline Lehmann (Rel, Sp), Nils Leonhardt (Sp), Moritz Noeres (Sp) sowie Yannick Nott (Rel, Lit/LuT).

Sozialpreise der Urspring-Feuerwehr, überreicht von deren Leiter Bernhard Hüttenrauch, durften der zugleich zum „Oberfeuerwehrmann“ ernannte Heinz-Wilhelm Schäbe sowie Tobias Kuhn und Tristan Oetker-Kast in Empfang nehmen.

Sozialzeugnisse für herausragendes soziales Engagement außerhalb des Unterrichts (verlesen und überreicht von Oliver Jung) erhielten Heinz-Wilhelm Schäbe und Emanuel Welte.

Nachdem Schulpfarrer Siegfried Fischer die Abiturienten in seiner Begrüßungsrede dazu angehalten hatte, für einen Moment die Augen zu schließen und auf die letzten Tage und Wochen zurückzublicken, forderte er sie auf, sich den in der Kirche aufgestellten Verkehrsschildern zuzuordnen. In der Schule sei es manchmal geregelt wie im Straßenverkehr, führte er aus. „Du musst Dich entscheiden: Nehme ich eine Umleitung – oder doch eine Sackgasse?“

Für ihren weiteren Lebensweg empfahl Siegfried Fischer den Abiturienten das Beispiel Abrahams und Saras aus dem Alten Testament. Der Stimme Gottes folgend, seien diese in die Fremde gezogen, ohne Weg und Ziel zu kennen, auf den Segen Gottes vertrauend, aber auch mit der Bereitschaft, anderen zum Segen zu werden. „Ich glaube, Ihr geht gut gerüstet in dieses Leben in dem Bewusstsein: Ich bin gesegnet und ich kann anderen zum Segen werden“, sagte Fischer.

In seiner anschließenden Ansprache wünschte Schulleiter Dr. Rainer Wetzler den frisch gekürten Abiturienten wie auch allen anderen Anwesenden „Glück, langes Leben und Frieden“. Ungewohnt deutliche Worte hatte er zuvor für eine ungenannt bleibende Minderheit des diesjährigen Abitur-Jahrgangs gefunden.

Wetzler kleidete seine Kritik in die Feststellung des semantischen Unterschieds zwischen den Begriffen „Abitur“ – dieses hätten in der Tat alle hier zu Verabschiedenden bestanden – und „Hochschulreife“, die er ausdrücklich nicht allen Absolventen zu attestieren vermochte. Vor allem Letzteren wünschte er das „Wissen, dass Denken keine Schmerzen bereitet“, um dann zu einer semantischen Differenzierung – in aufsteigender Reihenfolge – der Kategorien Informationen, Wissen und Bildung überzuleiten. Erstere seien im digitalen Zeitalter allgegenwärtig, erhielten ihre Bedeutung aber erst in einem Sinnzusammenhang. Bildung wiederum gehe als „Auseinandersetzung eines Menschen mit sich selbst und seiner Umwelt” weit über die reine Wissensvermittlung hinaus. Gegen Bildung falle eine vierte Kategorie ganz besonders ab: Ignoranz – „das bewusste oder nicht-bewusste Nicht-Zur-Kenntnis-Nehmen eines Faktums oder einer Situation“.

In ihrer Ansprache griff Kursstufenleiterin Inge Banholzer die Gedanken ihres Vorredners auf und konkretisierte sie. Nachdem sie die Abiturienten mit einem deren jahrelange Betüddelung durch Schule und Elternhaus satirisch überspitzenden Zitat von David McCullough konfrontiert hatte, stellte sie die rhetorische Frage: Aber „welches Ziel habt ihr denn nun an diesem Tag wirklich erreicht?“ „Die Reife – da beschleicht mich ein gelinder Zweifel angesichts mancher Erlebnisse in den letzten beiden Jahren.” Auch eine „gesicherte Zukunft” mochte sie den Gefeierten „auf der Basis von Studienplatzsuche, Entscheidungsschwierigkeiten, Gap Year oder einem Job mal so dazwischen durch” nicht in Aussicht stellen, und schon gar nicht „die große Freiheit“ in Anbetracht „straff durchorganisierter Studiengänge und zu erreichender Credits anstelle des lustigen Studentenlebens”. Dennoch hätten die Abiturienten „heute ein wichtiges Ziel erreicht”. „Das Rundum-Sorglos-Paket” könnten ihnen aber „weder die Eltern noch die Schule mitgeben. Jetzt heißt es Schwimmen statt Dümpeln”, rief sie den Abiturienten ermutigend zu! „Ich bin mir sicher, Ihr schafft das!”

Für die Abiturienten pries Kursstufensprecher Nils Leonhardt im Anschluss daran die familiäre Urspringer Atmosphäre („Familie ist das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich an Urspring denke”).

Er bedankte sich bei Schulleitung, Lehrern und allen anderen Mitarbeitern, „die Urspring zu dem machen, was es ist, und uns zum Abi begleitet haben”. Schülersprecher Gabriel Iseli wiederum nutzte seine Ansprache zu einer empathischen Huldigung der scheidenden Schülergeneration, „von denen einige meine Vorbilder geworden sind”, wie er bekannte.

Nach seinem Vorredner, der Ernest Hemingway zitiert hatte, griff Elternvertreter Stefan Federsel weit zurück in den Zitatenschatz der Menschheit. Mit einem (fälschlich) dem griechischen Philosophen Sokrates zugeschrieben Zitat zeigte er auf, dass die Elterngeneration bereits seit der Antike der nachfolgenden Generation vorwerfe, schlechte Manieren sowie keinen Respekt vor den Älteren zu haben, zu diskutieren, wo sie arbeiten sollte, ihren Eltern zu widersprechen und ihre Lehrer zu tyrannisieren.

Eine Lanze für die ungestüme Kraft der Jugend brechend sowie an das von Pfarrer Siegfried Fischer eingangs in den Raum gestellte Bild des Straßenverkehrs anknüpfend, stellte er fest: Sackgassen und Einbahnstraßen seien auf dem bisweilen langwierigen Weg der Selbstfindung wohl unumgänglich. Gerade in der heutigen „multipolaren und globalen Welt” tue daher „Orientierung not“. „Urspring hat Euch entscheidend geprägt, auch wenn Euch nicht immer alles sofort einsichtig erschien“, brachte er den Abiturienten abschließend in Erinnerung.

Konrad Gaß von der Geschwister Gaß-Stiftung überreichte den von seiner Stiftung für herausragende soziale Leistungen ausgezeichneten Abiturienten ihre Urkunden und Preise. Seine Rede auf Urspring und die Abiturienten schloss er mit der persönlichen Bitte „Vergessen Sie Urspring nicht, auch wenn es da und dort mal frustrierend war!“

Deutschlehrerin Gaby Thomä hielt die Laudatio auf Christian Schmidl, der mit dem Scheffelpreis der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe für das beste Deutsch-Abitur ausgezeichnet wurde. Der derart Geehrte sei stets „wie ein Fels in der Brandung” gewesen, schwärmte sie.

Er habe sich „Neugier und Interesse“ am Stoff bewahrt, „unbeeindruckt von zu spät kommenden Schülern und allen Schüler-Ablenkungsversuchen”. Seine Leistungen im Fach Deutsch in den vergangenen zwei Jahren seien „nicht nur gut, sondern hervorragend“ gewesen. Insbesondere hob sie die „Gelassenheit“ des Preisträgers hervor. Nie habe „er den Eindruck mühseliger oder kräftezehrender Arbeit vermittelt“, sagte sie und krönte ihre Laudatio mit einem Zitat aus Lessings „Nathan der Weise“: „Kein Mensch muss müssen“.

Der Preisträger bedankte sich mit dem Zitieren eines Scheffel-Gedichts: „Die Falten um die Stirne dein, lass sie nur heiter ranken, das sind die Narben, die darein geschlagen die Gedanken.“ Positiv hob auch er die familiäre Atmosphäre in Urspring hervor, einschließlich der zwanglosen Unterhaltungen beim gemeinsamen Essen. „Ja, Urspring ist ein besonderer Ort“. In diesem Schlusssatz klang spürbar ein Hauch Wehmut mit, dem Heinz-Wilhem Schäbe mit der anschließenden Intonation des Liedes „Nehmt Abschied, Brüder” auch musikalischen Ausdruck verlieh.

Zuvor hatte Internatsleiter Daniel Leichtner „altgedienten” Urspringern Urspringmedaillen für mindestens achtjährige Zugehörigkeit zur Urspringschule verliehen. „Treue“-Medaillen gingen an Anna Kling, Andreas Hilsenbeck, Max Bezold, Yannick Nott und Lea-Sophie Kreutle. „Wenn Treue Spaß macht, dann ist es Liebe“, unterstrich Daniel Leichtner, ein chinesisches Sprichwort zitierend, die Anhänglichkeit der so geehrten Schüler an ihre Schule.

Nach dem Auszug der Abiturientinnen und Abiturienten und einem Klassenfoto auf der Treppe  zum Paradies klang die Feier mit einem stilvollen Sektempfang im Klostergarten aus.

Fotos: Bernhard Hüttenrauch 

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