Dekadenschau VIII: Ins neue Jahr gedriftet

Präludium: Während alle internen Urspringschüler entspannt am Sonntag anreisten, saß ein chinesischer Mitschüler und Redaktionsmitglied aufgeregt und von Angstschweiß überströmt in seinem Zimmer und dachte angsterfüllt an seine bevorstehende Fahrprüfung am darauffolgenden Dienstag. Dadurch konnte er am 1. Montag gar nicht die Ansprache von Herrn Meth in der Vollversammlung, in welcher offiziell das neue Richtfunk-WLAN freigegeben wurde, genießen. Nach dieser kleineren Aufregung verlief der restliche Montag dann jedoch für fast alle ruhig. (Nachdem sich jeder ins Netz eingebucht hatte und endlich Dauerempfang auf den selbstverständlich sicher in der Tasche verwahrten Smartphones herrschte.)

Fast forward: 21.01.2020, 10:00 (Mitteleuropäische Standardzeit),  48°24’09.2″N 9°47’27.8″E

Ein nervöser Fahrprüfling verschwand auf dem Parkplatz des Blaubeurer Rewe in einem weißen Auto mit Kennzeichen UL  NF  ***.

40 Minuten später sah man jenes Auto wieder auf den Parkplatz rollen, und jenen Vermissten mit Führerschein aussteigen. Nun konnte endlich wieder normaler Alltag in Urspring (und auch in der restlichen Dekadenschau 🙂 ) einkehren.

Mit der Aufregung war es dennoch nicht ganz vorbei, denn das erste Halbjahr neigte sich dem Ende zu und somit wurde es für den ein oder anderen dann doch spannend, was denn wohl auf der Halbjahresinformation stehen würde, insbesondere für die Oberstufenschüler, da diese ja statt Informationen echte Zeugnisse erhielten.  So war es bereits am internen Freitag für die Zwölftklässler soweit, während sich alle anderen noch eine Woche bis zum Abreise-Freitag gedulden mussten.

Nun stand dann trotz aller Aufregung um die Halbjahresinformation zur Freude aller erst einmal das Wochenende an. Hierbei jedoch ist zu erwähnen, dass nicht alle sich entspannen konnten.

Für Samstag war ein Fahrsicherheitstraining bei der Verkehrswacht Ehingen von der Urspringschule zu Gunsten der Lehrkräfte und Schüler gebucht worden. Zwei Schüler und ein paar Angestellte der Urspringschule nahmen an diesem Training teil. Bereits um 8 Uhr begann das Programm auf dem Übungsplatz in Ehingen:  Die Lehrer durften mit ihren eigenen Autos anrücken, die Schüler durften den schuleigenen Ford-Bus benutzen, da sie das Training ja absolvierten, um mit jenem später fahren zu können. Das Training wurde ruhig angegangen, steigerte sich aber doch stetig. Erst musste man einige enge Kurven zum Aufwärmen fahren. Danach wurden Gefahrenbremsungen auf sowohl normaler, trockener, als auch gewässerter, reibungsfreier Fahrbahn geübt. Mithilfe der gefluteten Strecke konnten die Fahrer das veränderte Verhalten des Fahrzeugs gut erkennen. Als nächstes wurde, wie von den beiden teilnehmenden Schülern gewünscht, gedriftet: Man musste auf der nassen Fahrbahn, zwei aus dem Boden schießenden Wasserwänden, welche aus Sicherheitsgründen hier als Hindernisse genommen wurden, ausweichen, um für den hoffentlich nie eintretenden Ernstfall auf verregneter Straße gewappnet zu sein. Dabei merkte man dann doch, dass dies schwieriger ist als gedacht, da es einfach unmöglich war, wenn man nicht langsam genug fuhr und zu früh auf die Bremse trat.  In der letzten Phase des Fahrsicherheitstrainings trafen sich die Teilnehmer und der Trainer nochmals in dem kleinen Gebäude neben dem Übungsplatz, und hielten eine Feedbackrunde ab. Viele waren der Ansicht, dass sie nun besser und selbstbewusster fahren können würden. Selbst denjenigen, die sich vor dem Training einige Übungen nicht zugetraut hatten, ließen verlauten, dass es doch alles in allem Spaß gemacht hätte.

Im Anschluss daran fand ein Volleyballturnier in der Junge Sporthalle statt, das leider nicht ganz zu Turnierform auflief, aber immerhin zu einem vollen Spielfeld gereichte. Insgesamt 11 Spieler warfen, pritschten und schmetterten munter Bälle über das Netz.

Während sich also diese Gruppe körperlich beim Volleyballspielen verausgabte, verbrachte ein anderes Volk in Urspring ihren Samstag ganz anders: Einige chinesische Mitschüler fanden sich in den Urspringer Küchen ein und scheuten keine Mühen, ein Mahl gebührend dem chinesischen Neujahr aufzutischen. (Der Uspringblog berichtete.)

Die vereinten Anstrengungen aller blieben natürlich nicht ohne Folgen, und so kam es am nächsten Tag zum ersten Mal seit langem mal wieder zu einem richtigen Sonntag: herrlicher Sonnenschein war unser Lohn. Bedingt dadurch wurde aus dem kleinen beschaulichen Urspring plötzlich das größte Massentourismuszentrum der Schwäbischen Alb: Es ist ja allgemein bekannt, dass Urspring als ehemalige Klosteranlage ab und zu, meist am Wochenende, Besucher anlockt, jedoch durch das gute Wetter bezuschusst, wunderte sich dann doch so mancher Urspringer, welche Menschenmassen nun auf einmal durch Urspring zogen.

Mancher bekam davon jedoch nichts mit: So ließ sich Frau Wahl mit ihrem Mentorat in Stuttgart in einem Escape-Room einschließen, um dort einmal hautnah den Film Armageddon nachzuerleben und Herr Bücheler fand sich mit ein paar anderen Urspringern zusammen, um im GoKart-Fahren zu ermitteln, wer darin, wortwörtlich, die Nase vorn hat.

Nun bleibt abschließend nur noch zu erwähnen, dass wir alle in Urspring trotz des in der Welt umherkreisenden Coronavirus gesund und wohlauf sind und die Redaktion den Urspringer Chinesen ihr tiefstes Bedauern zu dem ausgesprochenen Heimreiseverbot für chinesisch-stämmige Schüler in den kommenden Faschingsferien ausspricht. Wer weiß, welch Kulturschock sie nun erwartet!

Text: Jacob Hochbaum & Jiahong Yuan

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