Über den Wolken

Rückblick auf Stratosphärenballonflug 2.0

Von Jonathan Tolle und Alexander Bahar

Am 17. Juli 2016 wurde in Urspring im Rahmen des Sommerfestes ein weiterer Stratosphärenballon gestartet. Das Ziel war es, die erste Version des Ballons zu übertreffen. Den hatten die Schüler Heinz-Wilhelm Schäbe (Kl. 11) und Jonas Gappert (Kl. 10b) im Rahmen eines Schulprojektes entwickelt und am 21. März 2015 in die Stratosphäre steigen lassen. Damals war nicht alles so gelaufen wie geplant. So waren unter anderem die Messfunktionen ausgefallen (Ursache: ein Fehler in der selbstprogrammierten Software des Bordcomputers), auch funktionierte die Bildübertragung zur Bodenstation nicht. Mit einer erreichten Flughöhe von 21.997 m war man außerdem deutlich unter der erhofften Höhe von 30 km geblieben. Dieses Mal nun sollte es besser laufen, hofften nicht nur die beteiligten Schüler.

Dank einer Gesetzesnovelle waren die bürokratischen Hürden beim 2. Versuch (V2) deutlich niedriger als noch beim 1. Versuch (V1) im Vorjahr. Hatte man damals noch eine Genehmigung der obersten Luftfahrtbehörde (Regierungspräsidium Tübingen), eine Starterlaubnis der Deutschen Flugsicherung (in Langen) sowie eine Haftpflichtversicherung für eventuelle Kollateralschäden durch den Ballon benötigt, genügte dieses Mal neben der obligatorischen Versicherung eine einfache Erlaubnis des Regierungspräsidiums, die gegen Zahlung einer Gebühr von 75,00 € formlos erteilt wurde.

Vor dem Start von V2 hatten die beiden Schüler laut eigenen Angaben mehrere hundert Stunden an der Verbesserung der Soft- und Hardware sowie an der Vorbereitung der Umweltsensoren gearbeitet.

Nachdem man am zweiten Tag des Sommerfestes gegen 14 Uhr alle benötigten Utensilien zum Sportplatz  geschafft hatte – wo schon V1 zur Luft gelassen worden war –, konnte es losgehen – oder auch nicht, da die aus einer dünnen, hochempfindlichen Latexhaut bestehende Ballonhülle zunächst mit Helium befüllt werden musste, was gute 30 Minuten in Anspruch nahm. Während dieser Zeit durfte der Ballon weder den Rasen noch andere spitze Objekte berühren.

Angefeuert von einer applaudierenden Menge hob V2 gegen 14:46 Uhr vom Rasen des Urspringer Sportplatzes ab. Bereits kurz vor dem Start des Ballons war eine Drohne aufgestiegen, die das Aufsteigen des Ballons mit einer eingebauten Videokamera aus der Luft dokumentierte. Schon bald war der Ballon in den Wolken verschwunden.

Knapp zwei Stunden nach dem Start des Ballons fuhren Jonas Gappert und Heinz-Wilhelm Schäbe, begleitet  von Jonas Schittig (Fahrer) und einem Lehrer, dem Ballon hinterher, während die „Bodencrew” um Herrn Jung und Herrn Schröder in Urspring blieb, um den Flug des Ballons am Bildschirm zu verfolgen.

In einer Höhe von circa 28.640 m platzte der Ballon ‒ immer noch früher als erhofft, aber immerhin deutlich später und in größerer Höhe als V1, und sank ungefähr zwei Stunden lang, bis er schließlich gegen 17:30 Uhr in Altusried-Kimmratshofen unweit von Kempten landete. Dort entdeckten ihn zwei spielende Mädchen – welch glücklicher Zufall! – auf einer von Wald umgebenen Wiese. Die beiden riefen eilig ihre Eltern hinzu. Die waren zunächst vorsichtig, argwöhnten einen möglichen terroristischen Hintergrund, entdeckten dann aber schnell den Aufkleber mit Anschrift und Rufnummer der Urspringschule und griffen zum Telefon.

Lankarte mit eingezeichneter Fluglinie des Ballons von Urspring nach Altusried.

Von der Crew in Urspring dirigiert, traf das Team um die Schüler Schäbe und Gappert kurze Zeit später auf dem umgebauten ehemaligen Bauernhof der Familie Brechter in Kimmratshofen ein, wo die Urspringer von Kindern und Eltern freudig begrüßt wurden.

Mit V2 haben Heinz-Wilhelm-Schäbe und Jonas Gappert das meiste erreicht, was sie sich mit diesem Projekt vorgenommen hatten: Sie wollten mittels Funk Livebilder übertragen, das hat leider wie bei V1 nicht funktioniert (Ursache: ein beim Verschließen der styroporumhüllten Technik-Box herausgerutschtes Kabel). Weiter hatten sie geplant, mit Hilfe von Thermometern, Barometern und Hygrometern verschiedene Umweltdaten zu messen – dieses Mal mit Erfolg! Unter anderem wurde eine kälteste Außentemperatur von -38° C gemessen. Nicht nur in puncto Flughöhe, auch hinsichtlich der geflogenen Strecke (ca. 100 Kilometer V2 gegenüber ca. 40 Kilometer V1) wurde der erste Versuch deutlich übertroffen.

Es ist noch nicht entschieden, ob es einen Start „V3“ geben wird, sollte dies aber der Fall sein, so wird sicher kein Kabel mehr vergessen werden, denn dann wird „alles miteinander verklebt“, wie es einer der am Projekt beteiligten Schüler formulierte.

Fotos: B. Hüttenrauch, A. Bahar
Grafik: O. Jung

 

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