Im Gespräch mit: Krists Plendišķis

„Der Wille zur Leistung treibt mich an”

Seit Schuljahrsbeginn arbeitet der 28 Jahre junge Krists Plendišķis als Mentor und Cheftrainer der NBBL (Nachwuchs Basketball Bundesliga) in Urspring. Der gebürtige Lette kam 2009 zum Studium der Verfahrenstechnologie und zum Basketballspielen nach Bremerhaven. Während des Studiums merkte Krists Plendišķis dann aber, dass es ihn zum Beruf des Trainers hinzieht. Daher brach er das Studium ab und schlug die Trainerlaufbahn ein. Bereits nach zwei Jahren hatte er die A-Lizenz in der Tasche, „damit kann ich auch in der 1. Bundesliga trainieren”, erläutert er. „Normalerweise gibt es die erst nach ca. vier Jahren, in meinem Fall hat es aber nur zwei Jahre gedauert, weil ich einige Stufen überspringen durfte”, sagt er lachend und sichtlich nicht ohne Stolz. Nach vier Jahren in Cuxhaven, wo er sowohl die Profis der 2. Bundesliga trainierte als auch im Jugendbereich arbeitete, folgte eine zweijährige Tätigkeit als Trainer im Jungen-Breitensport in Rostock.

Und weshalb dann der Wechsel von der Waterkant an die Schwäbische Alb?, wollen wir wissen. „Der Hauptgrund ist der Basketball”, sagt Krists Plendišķis entschieden. Urspring hat eine etablierte und bekannte Nachwuchsmannschaft. In ganz Deutschland ist Urspring für gute Arbeit bekannt und für das, was hier für die Jungs getan wird.” Außerdem habe er nach der „Pause” in Rostock unbedingt wieder zurück in den Leistungssport gewollt. „Der Wille zur Leistung treibt mich an”, bekennt Plendišķis. Keine geringe Rolle für seinen Wechsel nach Urspring habe schließlich auch seine langjährige Bekanntschaft mit Domenik Reinboth gespielt.

Seine Jugend sei zwar einerseits ein Nachteil, „die Jungs sehen mich als ihresgleichen, die Autorität muss ich mir erst erarbeiten.” Andererseits sei es aber ein Vorteil zu wissen, „wie junge Leute in dem Alter ticken, welche Bedürfnisse und Wünsche sie haben.”

Entspricht die Arbeit in Urspring seinen Vorstellungen? Ja, auf jeden Fall, entgegnet er, aber die Doppelaufgabe ‒ Trainer und Mentor ‒ sei mit viel Stress verbunden. „Beides zusammenzubringen ist extrem schwierig. Ich stehe auf, wecke die Leute und schicke sie zur Schule. Wenn sie von der Schule zurückkommen, gehe ich zum Training in die Halle. Und wenn ich von der Halle zurückkehre (zwischen 21:30 und 22:30 Uhr), gehen sie schon schlafen. Ohne die Unterstützung von Internatsleiter Daniel Leichtner könnte ich den Job gar nicht machen.” Doch es besteht Aussicht auf Besserung. Zum 2. Schulhalbjahr soll Krists Plendišķis ein reines Basketballmentorat erhalten (im Moment sind nur zwei seiner Mentoratskinder Basketballer). „Dann kann ich das Training auch mal ausfallen lassen, um mit den Jungs etwas anderes zu unternehmen.”

Im Mädchenhaus wohnt Krists Plendišķis zusammen mit seiner Freundin, einer gebürtigen Heilbronnerin. Was ihn mit ihr über das Private hinaus verbindet, ist das gemeinsame Psychologie-Studium an der Fernuniversität Hagen. Beide sind inzwischen im fünften Semester. Als wichtigstes Motiv für seine Studienwahl nennt er das Bedürfnis herauszufinden, was Menschen antreibt. „Im Trainerberuf gibt es viele Berührungspunkte mit Menschen, und es ist wichtig, sich in andere hineinzuversetzen, sie zu verstehen. Das Studium hilft mir dabei.”

Nach seinem ersten Eindruck vom Leben in Urspring befragt, meint Plendišķis: „Urspring ist ein pulsierendes kleines Dorf, eine große, sehr lebendige Familie. Wie in jeder Familie gibt es auch hier Probleme, aber die kann man im Gespräch lösen.

Der U19-Trainer, der bisher nur an der Küste gelebt hat, ist ein Fan von Wassersport aller Art. Jetzt reize es ihn, die Berge zu entdecken, sagt der Hobbykoch, der an freien Tagen gern auch mal länger in der Küche steht. Auch alpines Klettern könne er sich vorstellen.

Text und Foto: Alexander Bahar

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