Im Nachgang: Glückwunsch dem Abiturjahrgang 2019

Rede des Schulleiters Dr. Rainer Wetzler zur Abiturentlassfeier

Herzlichen Glückwunsch dem Abiturjahrgang 2019!
Wir gratulieren unseren Abiturientinnen und Abiturienten zu ihrem Erfolg! Ihr habt Euch dem höchsten Schulabschluss in insgesamt vier schriftlichen Prüfungen gestellt und diese erfolgreich gemeistert.

„…wir feiern Abitur – ein würdiges Ereignis, der Höhepunkt der Schulzeit.

Hier stehen junge Menschen, die – mit den Worten Nestroys – „Karriere machen sollen“. Karriere – eigentlich ein seltsamer Begriff. Da steckt die Karete drin, ein schlechter Wagen oder Gespann; es finden sich aber auch Einlassungen in Richtung Rennbahn oder daran angelehnt die Konnotation zur „Laufbahn“.

Ihr jungen Menschen mit der Hochschulzugangsberechtigung steckt bildlich in den Startblöcken einer Rennbahn, lauft gemeinsam los auf einer imaginären Laufbahn – einer wie auch immer vorgegebenen Bahn zum Laufen.

Oder anders, da steht Ihr nun und – könnt nicht anders – auf einer Rennbahn, Entschuldigung „Laufbahn“. Dass dies so ist, hat System und wir als Schule sind letztendlich Wegbegleiter oder auch Sozialisationsagenten, die euch auf die richtige Spur bringen wollen.

Dass dies so ist, hat System und wir als Schule sind letztendlich Wegbegleiter oder auch Sozialisationsagenten, die Euch auf die richtige Spur bringen wollen.

Nun wird es schon wieder schwierig, denn was ist die richtige Spur. In Eurer Abilektüre „Der Steppenwolf“ war die Rede von der Goldenen Spur und was wäre dann eine falsche?

Ich wage die These, denn eine Antwort auf diese Frage gibt es nicht, und wer sie beantwortet, ist in dieser Hinsicht ein Verführer.

Die Antwort tragt ihr schon lange in Euch und auch die Möglichkeiten und Chancen, was in Eurem Leben wächst und entsteht.

Ich darf eine Schritt zurückgehen, Karriere und Laufbahn waren Ausgangspunkte, und im Sprachgebrauch sind beide positiv konnotiert; aber eigentlich steckt dahinter nicht die sogenannte „Steile Karriere“, es geht vielmehr im Kern um ein gutes Kleben, sinnhaft gestaltet, mit Rückgrat versehen und dem aufrichtigen Blick nach vorne.

Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass das Motto Eurer Generation „Fridays for Future“ ist – wir Erwachsene sollten Euch für dieses Engagement Respekt zollen und Euren Mut nicht durch die Diskussion „Saturdays for Future“ verwässern. Ihr seid auf dem richtigen Weg und setzt hoffentlich besser als wir die UNO-Ziele, Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden um.

Doch nochmals zurück zum Ausgangspunkt „Karriere“. Es geht dabei um etwas, das Euch einige Jahre tragen soll, dass Euch Zufriedenheit wie Lebensqualität beschert. Das macht den semantischen Unterschied zwischen Karriere und Karriere, zwischen Rennbahn und Laufbahn.

Und wenn Ihr nun Eure Pläne für die Zukunft schmiedet, dann nehmt das in den Blick, was Euch wichtig erscheint und was eine geraume Zeit trägt.

Ihr werdet an Punkte kommen, wo Ihr an Weggabelungen steht und Euch entscheiden müsst, gehe ich nach rechts oder links, ohne wissen zu können, was Euch erwartet.

Nehmt getrost diese Verantwortung für Eure eigene Biografie in die Hand, alles hat seinen je eigenen wie tiefen Wert, ganz gleich ob Studium, Handwerk, Kunst oder Wissenschaft – im Gegensatz dazu steht der rechte Populismus, der hat weder Sinn noch Wert.

Gleichsam entwickelt sich mit dem Alter ein Bewusstsein, dass man in seinen Möglichkeiten beschränkt ist, und auch mit vielen Talenten ausgestattete Menschen, müssen immer wieder Prioritäten setzen.

Junge Menschen gehen weite Wege, mit dem Älterwerden werden diese kürzer. Oder wie es Armin Müller-Stahl formuliert: „Ach, die Jahre werden schneller, dreht sich schneller der Propeller“.

Das haben Euch die Erwachsenen hier in unsere Ulrichskirche voraus, und ich hoffe, dass viele der von uns Erwachsenen vor geraumer Zeit gemachten Entscheidungen den genannten Kriterien standhalten, nämlich gutes und sinnhaft gestaltetes Leben mit Rückgrat versehen und einem aufrichtigen Blick nach vorne.

Wenn ich abschließend eine Reflexion über Lebensträume machen darf, dann die, dass wir Lehrer Euch etwas mitgeben dürfen, aber gleichzeitig viel bekommen haben – nämlich durch die Geschichten, die wir in der Zukunft von Euch hören, noch viel von Euch bekommen werden.

Glück, langes Leben und Frieden!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Konrad Gaß & die diesjährigen Preisträger der Geschwister-Gaß-Stiftung, Franziska Koch, Sascha Kopp & Jonathan Tolle

Scheffelpreis-Trägerin Mara Mae Gerster bei ihrer Rede

Rede PD Dr. Rainer Wetzler, Entlassfeier 13.07.2019, Fotos: Bernhard Hüttenrauch, Martin Witzel

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