130 Tage Urspring – Die neuen Lehrer: Herr Jung

Wie geht es den neuen Lehrern und Mentoren, die jetzt seit 130 Tagen Urspring kennen und schätzen gelernt haben? Wie gefällt es ihnen, was war der erste Gedanke, der Urspring in ihnen auslöste? Fragen wir sie doch selbst.

Der erste Lehrer, den wir uns näher anschauen wollen, ist Herr Jung.


Herr Jung, was war Ihr Impuls, sich in Urspring zu bewerben?

Das ist eine interessante Frage, Herr Schäbe. (grinst) Die beantworte ich jetzt ganz pauschal mit: Hoffentlich bekomme ich einen Job!

Wie genau sind Sie auf Urspring gekommen?

Durch eine intensive Internetrecherche auf einschlägigen Seiten, deren Aufzählung den Rahmen dieses Interviews sprengen würden.

Sie kamen in den Sommerferien zum Vorstellungsgespräch. Was war Ihr erster Eindruck von Urspring?

Schnuckelig.

Schnuckelig?

Ja, schnuckelig.

Wenn Sie ihre alte Schule mit Urspring vergleichen, was können Sie uns dazu sagen?

Nun, meine alte Schule in Neugereut, das ist ein Stadtteil von Stuttgart, war wesentlich multikultureller. Das liegt daran, dass in Stuttgart viele Zuwanderer leben, deren Kinder natürlich auch zur Schule gehen. Deren Anteil an allen schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen liegt in Stuttgart inzwischen bei über 50 Prozent. In Urspring findet man dies so nicht, sieht man von den Chinesen ab. Urspring ist vor allem männerlastig.

Wie ist Ihr Eindruck nach ein paar Monaten auf Urspring?

Ganz gut, würde ich sagen. Keiner mobbt, keiner nervt, oder sie sind zumindest schnell wieder weg. Nur freie Tage neigen dazu, sich von selbst in Luft aufzulösen – trotz meines beharrlichen Kalendereintrags.

Wie kommen Sie mit Ihrer Situation als hauptamtlicher Mentor nach dem „Verschwinden“ Ihrer Vorgesetzten zurecht?

Ich bin weniger gebunden an gewisse Regelungen, die teils Sinn machen, teils übertrieben sind. Und natürlich befreiter im Sinne der Tatsache, dass ich jetzt wesentlich mehr Handlungsfreiheit habe, das Ganze allerdings auch selbst verantworten muss, wenn’s halt mal schief geht.

Wie versuchen Sie, die verschiedenen Interessen in Ihrem Mentorat zu vereinen?

Gar nicht! (lacht) Das ist extrem schwierig, allein auf der Grundlage, dass ich mindestens vier Interessengruppen habe, zum Teil bestehend aus einer Person, zum Teil aus dreien. Der einende Gedanke ist, dass man zusammen kocht; weitere Aktivitäten werden meist nur sporadisch besucht, weil nicht jeder Lust hat. Auf Bowling spielen haben sich hingegen alle einigen können.

Hätten Sie Interesse, längerfristig in Urspring Spuren zu hinterlassen?

Durchaus. Das entscheidet sich in den nächsten paar Tagen, wenn die Leitungsebene und ich einig geworden sind. Von daher ist das noch im Fluss, aber die Aussichten sind nicht schlecht.

Haben Sie etwas gegen einige persönliche Fragen?

Nein, schieß los!

Wie alt sind Sie?

27.

Welche Schuhgröße haben Sie?

43. Aber das schämt man sich hier ja fast laut zu sagen.

Wie viel wiegen Sie?

Soviel, wie meine Waage mir morgens aus reiner Gefälligkeit in Ausübung ihrer Existenzberechtigung anzeigt.

Sie wollen es uns also nicht verraten? Na gut. … Ihre penetrante Gute-Laune-Einstellung finden wir bewundernswert. Wie schaffen Sie es, so gelassen zu sein, obwohl viele Lehrer in Ausübung ihres Berufs in den Wahnsinn getrieben werden?

Aufgrund meiner in sich ruhenden, gelassenen Persönlichkeit ist es extrem schwierig, mich auf die Palme zu bringen. Nervt einmal ein Schüler, so atme ich tief durch und mache – den Störer ignorierend – weiter.

Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht Lehrer geworden wären?

Ich will unbedingt einen Roman schreiben; Journalismus ist durchaus auch eine interessante Alternative. Ich arbeite außerdem an meinem eigenen Parteiprogramm …

Das klingt interessant. Wollen Sie uns dazu mehr erzählen?

Die Ausführungen zu nur drei Punkten seines Programms endeten in einer lebhaften Diskussion, sodass die Redaktion beschlossen hat, diese Nachfrage dem interessierten Leser selbst zu überlassen. Er sollte allerdings ausreichend Zeit mitbringen.

Was sind ihre Hobbies?

Lesen, auch wenn ich momentan kaum dazu komme. Musik hören – so ziemlich alles außer Volksmusik. Rad fahren, Schwimmen, Wandern, Fotografie, Reisen, Briefmarken sammeln und selbstverständlich Schüler quälen. (Achtung SATIRE!)

Was sagt ihnen am reformpädagogischen Ansatz Ursprings zu?

Also zuerst einmal: Reformpädagogik habe ich vor der Initiativbewerbung in Urspring erstmal gegoogelt. Nach einer Einlesephase – Lehrer studieren übrigens nur, um dem Land Baden-Württemberg zu beweisen, dass sie sich verschiedenste Themen in kurzer Zeit aneignen können – fand ich den Ansatz in seiner Gesamtheit interessant und entdeckenswert.

Sie haben unsere Frage nicht beantwortet.

Das ist doch die Kunst bei der Beantwortung von Interviewfragen!

Also, sagt Ihnen der reformpädagogische Ansatz zu?

Ja.

Herr Jung, wir danken Ihnen für dieses aufschlussreiche Gespräch.

Ich habe zu danken, Herr Schäbe.


Mehr Informationen über Herr Jung finden Sie hier:

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