Prägnantes Spiel mit Licht und Schatten

Von Jonathan Tolle, Yifeng Wang und Jacob Hochbaum

Am 6. März 2018 fuhren die Schüler der Kursstufe I mit Frau Wetzler und Frau Wahl nach Tübingen, wo sie sie im dortigen Landestheater eine Aufführung von Goethes Faust I besuchten. Dieser Besuch fand im Rahmen des Deutschunterrichts statt, da ab dem diesjährigen Abitur Faust I ein Abiturthema sein wird. Mitgefahren sind auch zwei Literatur- und Theater-interessierte Schüler aus der Klasse 10, die beide an diesem Beitrag mitgearbeitet haben.

Noch in der Vorhalle des Saales wurde das Vorspiel auf dem Theater gespielt. Nachdem sich alle gesetzt hatten, ging es auch schon bald los.

Die Handlung des berühmten Stücks sei hier kurz zusammengefasst:

Ein Gelehrter namens Heinrich Faust (gespielt von Andreas Guglielmetti, im Bild rechts), ruft, enttäuscht von der Wissenschaft, einen Erdgeist herbei, in dem er etwas ihm Ebenbürtiges sieht, wird allerdings von diesem noch stärker gekränkt, da der Erdgeist Faust nicht als gottähnliches Wesen ansieht. Daraufhin erscheint Mephisto (gespielt von Jürgen Herold, im Bild links). Faust und Mephisto schließen einen Pakt. Während es Fausts Ziel ist, mit Mephistos Hilfe wieder Freude am Leben zu finden, verfolgt Letzterer ganz andere Pläne. Mephisto hat nämlich mit Gott gewettet, dass er, Mephisto, in der Lage wäre, alle Menschen zu korrumpieren. Der scheinbar so integere, nur der Wahrheit verpflichtete Faust sollte das Versuchskaninchen für diese Wette sein.

Im Zuge der künstlerischen Freiheit und einer Beschränkung der Möglichkeiten wich die Inszenierung von Goethes Original ab. Zum Beispiel tritt Mephisto, nachdem er den Pakt mit Faust geschlossen hat, aus der Rolle und streicht kurzerhand mit der Bemerkung „An alle Pädagogen” den gesamten Prolog im Himmel. In diesem Kapitel hat Goethe den genaueren Hintergrund des Paktes, unter anderem was Mephisto davon hat, detailliert herausgearbeitet. Einem Zuschauer, der das Original nicht kennt, fehlen somit wichtige Informationen, wodurch das Verständnis des Ganzen getrübt wird.

Auch wechseln die Schauspieler des Mephisto und des Faust in der Tübinger Inszenierung die Rollen, anstatt dass sie beide jünger werden, wie es das Original will. Ob der Regisseur mit diesem dramaturgischen Trick auf die Austauschbarkeit von Verführer und Verführtem hinweisen wollte, sei hier dahingestellt.

Von der professionellen schauspielerischen Leistung der Darsteller waren alle Autoren dieses Beitrags sehr angetan. Für manche Zuschauer ragte insbesondere der Darsteller des Mephisto heraus, da seine Statur, Bewegung und Sprache besonders gut zur Rolle passten. Etwas Irritiert zeigten sich manche vom Bühnenhintergrund, der während des gesamten Stücks nur aus einem Lattenrost bestand. Hier hätten sich manche etwas mehr Abwechslung gewünscht. Allerdings trug gerade das eher uninteressante Bühnenbild mit dazu bei, dass die Inszenierung einen starken Fokus auf die Darsteller hatte. Dies hat gut funktioniert, da viele Charaktereigenschaften der handelnden Personen in den physischen Eigenschaften der Darsteller widergespiegelt wurden. Die Bühnenbeleuchtung tat noch das Ihre, indem sie durch das geschickte Spiel mit Licht und Schatten die hier wortwörtlichen Schattenseiten und Lichtblicke prägnant herausgearbeitet hat.

Foto: Tobias Metz (www.tobiasmetz.de) Wir danken dem Fotografen für die Erlaubnis, seine Bilder zu verwenden!

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